Eine bessere Justiz durch Legal Tech?

Nutzen und Verbesserung durch Legal Tech wurden bisher vorrangig mit Blick auf die Anwaltschaft erörtert. Viele Anwälte haben inzwischen erkannt, dass neue Technologien sie in ihre Arbeit unterstützen können, und vermehrt werden Tools eingesetzt, die repetitive Vorgänge automatisieren oder ihnen beim Analysieren, Bewerten und Vorhersagen helfen.
Einige Legal Tech-Unternehmen richten ihren Fokus nun vermehrt auf die Vorhersagbarkeit richterlicher Entscheidungen. Sie erfassen jegliche öffentliche Informationen wie Urteilstexte und teilweise die Namen der beteiligten Richter. Wäre es eines Tages möglich, alle öffentlich verkündeten Sentenzen mit Richternamen zu erfassen, könnte durch eine Komplettauswertung ein Profil pro Richter erstellt werden, welches nie dagewesene Einblicke in die Funktionsweise der Justiz mit sich bringen würde. Nicht nur die Methodik der/s RichterIn sondern auch Versäumnisse und Probleme würden durch solch ein "echte Gerichtsöffentlichkeit" zum Vorschein kommen.
Dies bringt die Fragestellung mit sich, welche Information ausgewertet, verknüpft und veröffentlicht werden dürfen. An welchem Punkt sind private Persönlichkeitsschutzinteressen betroffen und wann überwiegen Transparenz und Analyse von Urteilen diese?
Diese und weitere Fragen müssen geklärt werden bevor solch eine, "echte Gerichtsöffentlichkeit" gewährleistet werden kann.

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Photo by Mathew Schwartz on Unsplash